Start
Kurzurlaub oder: Skiurlaub im Deister PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Cosima Krup   
Freitag, 05. Februar 2010 um 20:00 Uhr

Der Trend geht zum Kurzurlaub oder: Skiurlaub im Deister an einem Vormittag

Viele Mitglieder des Laufclubs Burgwedel haben spätestens in diesem Jahrhundertwinter entdeckt, dass es sich im Schnee am Besten auf Skiern läuft  und sind derzeit im Skiurlaub. In Burgwedel reicht der Schnee nach dem Tauwetter nicht mehr, was also tun, wenn man keine Möglichkeit für einen  Skiurlaub hat?

Niedersachsen ist das Land zwischen Deich und Deister, der Deister ist das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands mit max. 405 m Höhe auf dem „Bröhn“-Berg, auf welchem einst Professor Carl Friedrich Gauss den Annaturm als Vermessungsturm errichten lies. Hat man da nicht mal was von Loipen gehört?   

Ein Blick ins internet führt zum Ski-Club Springe und bestätigt, dass selbiger im Deister drei maschinell gespurte Loipen von 2, 4 und 6 km Länge eingerichtet hat.

Der Routenplaner sagt, dass man in einer Stunde Autofahrt da ist und der aktuelle Schneereport des Ski-Clubs verheißt nicht nur ausgezeichnete Skibedingungen bei 40 cm Schnee, sondern weist auch darauf hin, dass der Parkplatz zum Loipeneinstieg in Köllnischfeld nur mit Schneeketten zu erreichen ist.
Beste Bedungungen also für drei Frauen des Laufclubs Burgwedel, zu einem Kurzurlaub von einem Vormittag in den Deister aufzubrechen. Die Anfahrtsbeschreibung des Ski-Clubs erweist sich als hervorragend.
Da wir ja zum Skilaufen und nicht zum Kettenanlegen hergekommen sind, lassen wir das Auto am Rand des Deisters stehen und schieben uns auf Skiern die Jägeralle mit bis zu 15% Steigung auf den Deisterkamm hoch. Ein Auto überholt uns, um kurz darauf durchzudrehen und dann langsam wieder rückwärts den Berg herunter zu rollen, wobei der verdutzte Fahrer einen interessanten Anblick bietet. Neid auf unsere vorwärts gleitenden Ski? Überraschend schnell erreichen wir nach 2 km den Loipeneinstieg in Köllnischfeld, wo wir uns nicht einmal mehr extra aufwärmen müssen.

  Start zum Kurzurlaub im Deister

Die website des Ski-Clubs hat nicht zuviel versprochen, alles ist hervorragend organisiert und gepflegt, hoch-professionell, aber überhaupt nicht kommerziell.
Man kann also einen „alpinen“ Kurz-Skiurlaub in einer Kommerzhalle machen oder sportlich langlaufen unter Ehrenamtlichen, die sich hoch-professionell für die Öffentlichkeit engagieren.

Die drei Loipen beginnen alle in Köllnischfeld auf 330 m Höhe, wo ein Übersichtsplan für Durchblick im Schnee sorgt. Sie sind alle ausschließlich für den klassischen Laufstil, wobei der Verein darum bittet, die Skier doch parallel zu führen. Die Loipen mit farbigen Schildern in rot (2km), blau (4km) und schwarz (6km) markiert.  Als Anfänger entscheiden wir uns gleich mutig für die „schwarze Piste“. Alle Loipen sind maschinell als Doppelloipen, also mit Gegenverkehrs- bzw. Überholspur gespurt. Bald hören wir auch schon das Dieselgeräusch des Motorschlittens mit der Spurvorrichtung. Dieses Geräusch wird uns an diesem Vormittag immer wieder vertraut zu Ohren kommen, denn besetzt mit zwei Mitgliedern des Ski-Clubs Springe pflegt es in unermüdlichen Rundkursen die Loipen. So kommen wir in den Genuß absolut frisch gespurter Loipen.

Der Landstrich dort oben heißt nicht ohne Grund in den topographischen Karten des Niedersächsischen Landesvermessungsamts „Schneegrund“: uns umgibt eine völlige Bilderbuchlandschaft, alle Bäume und Sträucher sind zauberhaft dick mit Schnee überzogen. Da es im Deister nur Laubwald gibt, fallen auch keine Nadeln in die Loipen, was im Harz immer erst zu einem häßlichen Knarzgeräusch und dann zu noch häßlicheren, weil bremsenden und irgendwann auch lautstarken Kratzspuren auf dem Belag der Ski führt. Die berühmten endemischen Süntelbuchen, welche es nur in Köllnischfeld gibt, können wir unter der Schneehaube allerdings nicht entdecken.

Die schwarze Loipe erweist sich als leicht profiliert, schwierige Abfahrten fehlen jedoch ganz. Sie ist so gut zu fahren, dass wir gleich noch eine weitere Runde laufen. Jetzt kennen wir die Strecke schon, dadurch sind wir flotter unterwegs.

Sportlich im Kurzurlaub im Deister

Weil wir zu Mittag zurück in Burgwedel sein müssen, wollen wir nach 12 km Loipen wieder nach Springe abfahren. Inzwischen sind so viele Autos auf dem Parkplatz Köllnischfeld angekommen, dass wir Bedenken haben, ob die Abfahrt über die Straße wirklich lohnenswert ist. Ein anderer Langläufer, der uns schon morgens früh dafür bewundert hatte, dass wir auf Skiern ins Skigebiet hoch gelaufen sind, hatte uns geraten, doch den Wanderweg für die Talabfahrt zu nutzen. Manch Wanderweg ist eher ein Saumpfad, nicht nur sehr steil, sondern auch sehr eng. Nicht breit genug für eine Abfahrt im Schneepflug!

Also nehmen wir einen breiten Wanderweg, der irgendwann auch schon mal von einem Auto befahren worden ist. Nach dem angenehm leichten Gleiten in der Loipe kommt uns das Skilaufen in der engen Fahrspur sehr mühevoll vor. Dann endet diese auch noch ganz, vor uns liegt nur noch unberührter Schee. Wir wünschen uns eher breite Trapper-Ski als schmale Loipen-Ski, während wir uns durch den hohen Schnee schieben. Merkwürdiger Weise bleiben wir auch auf einer Höhenlinie, obwohl wir doch ins Tal wollen. Irgendwann scheint auch die Richtung des Waldweges nicht mehr zu stimmen, der sich links öffnende Taleinschnitt ist nicht Springe. Doch da hören wir das vertraute Geräusch des Motorschlittens. Die nächste Loipe kann also nicht weit sein. Siehe, nur wenige Meter trennen uns von einer Loipe, die wir dann wiedererkennen. Jetzt kann uns nichts mehr passieren.

Am Loipenausgangpunkt angekommen, haben wir weder Zeit noch Lust für neue Experimente. Wir nehmen einfach die Fahrstraße. Wer den Schneepflug auf den leichten kantenlosen Langlaufskiern beherrscht, ist klar im Vorteil. Gilt es doch, sehr kontrolliert abzufahren, weil auf der einspurigen Straße auch Autoverkehr in beide Richtungen herrscht und nicht alle Autofahrer da wissen, was sie bzw. ihr Auto gerade tut. Nur im unteren Bereich, wo man schnurgerade fast bis Springe gucken kann, trauen wir uns eine Schußfahrt zu.

Nach gut drei Stunden erreichen wir glücklich und zufrieden wieder unseren Parkpklatz. Der Ski-Club Springe hat eine Spende, um die er im internet ausdrücklich wirbt, wirklich verdient.

Auf der Heimfahrt durch grau-braune Landschaft mit Schneeflecken beschließen wir, „so einen Kurzurlaub wie in einer anderen Welt machen wir noch mal“. 

Cosima Krup, Burgwedel 5. Februar 2010

Zurück

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 28. Dezember 2010 um 00:50 Uhr
 
Copyright © 2017 Ski-Club Springe e.V.. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.