Der
Trend geht zum Kurzurlaub oder: Skiurlaub im Deister an einem Vormittag
Viele
Mitglieder des Laufclubs Burgwedel haben spätestens in diesem Jahrhundertwinter
entdeckt, dass es sich im Schnee am Besten auf Skiern läuft und sind derzeit im Skiurlaub. In Burgwedel
reicht der Schnee nach dem Tauwetter nicht mehr, was also tun, wenn man keine
Möglichkeit für einen Skiurlaub hat? Niedersachsen
ist das Land zwischen Deich und Deister, der Deister ist das nördlichste
Mittelgebirge Deutschlands mit max. 405 m Höhe auf dem „Bröhn“-Berg, auf
welchem einst Professor Carl Friedrich Gauss den Annaturm als Vermessungsturm
errichten lies. Hat man da nicht mal was von Loipen gehört?
Ein
Blick ins internet führt zum Ski-Club Springe und bestätigt, dass selbiger im
Deister drei maschinell gespurte Loipen von 2, 4 und 6 km Länge eingerichtet
hat.
Der
Routenplaner sagt, dass man in einer Stunde Autofahrt da ist und der aktuelle
Schneereport des Ski-Clubs verheißt nicht nur ausgezeichnete Skibedingungen bei
40 cm Schnee, sondern weist auch darauf hin, dass der Parkplatz zum
Loipeneinstieg in Köllnischfeld nur mit Schneeketten zu erreichen ist. Beste
Bedungungen also für drei Frauen des Laufclubs Burgwedel, zu einem Kurzurlaub
von einem Vormittag in den Deister aufzubrechen. Die Anfahrtsbeschreibung des
Ski-Clubs erweist sich als hervorragend. Da
wir ja zum Skilaufen und nicht zum Kettenanlegen hergekommen sind, lassen wir
das Auto am Rand des Deisters stehen und schieben uns auf Skiern die Jägeralle
mit bis zu 15% Steigung auf den Deisterkamm hoch. Ein Auto überholt uns, um
kurz darauf durchzudrehen und dann langsam wieder rückwärts den Berg herunter
zu rollen, wobei der verdutzte Fahrer einen interessanten Anblick bietet. Neid
auf unsere vorwärts gleitenden Ski? Überraschend schnell erreichen wir nach 2
km den Loipeneinstieg in Köllnischfeld, wo wir uns nicht einmal mehr extra
aufwärmen müssen. 
Die
website des Ski-Clubs hat nicht zuviel versprochen, alles ist hervorragend
organisiert und gepflegt, hoch-professionell, aber überhaupt nicht kommerziell. Man
kann also einen „alpinen“ Kurz-Skiurlaub in einer Kommerzhalle machen oder
sportlich langlaufen unter Ehrenamtlichen, die sich hoch-professionell für die
Öffentlichkeit engagieren.
Die
drei Loipen beginnen alle in Köllnischfeld auf 330 m Höhe, wo ein
Übersichtsplan für Durchblick im Schnee sorgt. Sie sind alle ausschließlich für
den klassischen Laufstil, wobei der Verein darum bittet, die Skier doch
parallel zu führen. Die Loipen mit farbigen Schildern in rot (2km), blau (4km)
und schwarz (6km) markiert. Als Anfänger
entscheiden wir uns gleich mutig für die „schwarze Piste“. Alle Loipen sind
maschinell als Doppelloipen, also mit Gegenverkehrs- bzw. Überholspur gespurt. Bald
hören wir auch schon das Dieselgeräusch des Motorschlittens mit der
Spurvorrichtung. Dieses Geräusch wird uns an diesem Vormittag immer wieder
vertraut zu Ohren kommen, denn besetzt mit zwei Mitgliedern des Ski-Clubs
Springe pflegt es in unermüdlichen Rundkursen die Loipen. So kommen wir in den
Genuß absolut frisch gespurter Loipen.
Der
Landstrich dort oben heißt nicht ohne Grund in den topographischen Karten des
Niedersächsischen Landesvermessungsamts „Schneegrund“: uns umgibt eine völlige
Bilderbuchlandschaft, alle Bäume und Sträucher sind zauberhaft dick mit Schnee
überzogen. Da es im Deister nur Laubwald gibt, fallen auch keine Nadeln in die
Loipen, was im Harz immer erst zu einem häßlichen Knarzgeräusch und dann zu
noch häßlicheren, weil bremsenden und irgendwann auch lautstarken Kratzspuren
auf dem Belag der Ski führt. Die berühmten endemischen Süntelbuchen, welche es
nur in Köllnischfeld gibt, können wir unter der Schneehaube allerdings nicht
entdecken.
Die
schwarze Loipe erweist sich als leicht profiliert, schwierige Abfahrten fehlen
jedoch ganz. Sie ist so gut zu fahren, dass wir gleich noch eine weitere Runde
laufen. Jetzt kennen wir die Strecke schon, dadurch sind wir flotter unterwegs.
Weil
wir zu Mittag zurück in Burgwedel sein müssen, wollen wir nach 12 km Loipen
wieder nach Springe abfahren. Inzwischen sind so viele Autos auf dem Parkplatz
Köllnischfeld angekommen, dass wir Bedenken haben, ob die Abfahrt über die
Straße wirklich lohnenswert ist. Ein anderer Langläufer, der uns schon morgens
früh dafür bewundert hatte, dass wir auf Skiern ins Skigebiet hoch gelaufen
sind, hatte uns geraten, doch den Wanderweg für die Talabfahrt zu nutzen. Manch
Wanderweg ist eher ein Saumpfad, nicht nur sehr steil, sondern auch sehr eng.
Nicht breit genug für eine Abfahrt im Schneepflug!
Also
nehmen wir einen breiten Wanderweg, der irgendwann auch schon mal von einem
Auto befahren worden ist. Nach dem angenehm leichten Gleiten in der Loipe kommt
uns das Skilaufen in der engen Fahrspur sehr mühevoll vor. Dann endet diese
auch noch ganz, vor uns liegt nur noch unberührter Schee. Wir wünschen uns eher
breite Trapper-Ski als schmale Loipen-Ski, während wir uns durch den hohen
Schnee schieben. Merkwürdiger Weise bleiben wir auch auf einer Höhenlinie,
obwohl wir doch ins Tal wollen. Irgendwann scheint auch die Richtung des
Waldweges nicht mehr zu stimmen, der sich links öffnende Taleinschnitt ist
nicht Springe. Doch da hören wir das vertraute Geräusch des Motorschlittens.
Die nächste Loipe kann also nicht weit sein. Siehe, nur wenige Meter trennen
uns von einer Loipe, die wir dann wiedererkennen. Jetzt kann uns nichts mehr
passieren.
Am
Loipenausgangpunkt angekommen, haben wir weder Zeit noch Lust für neue
Experimente. Wir nehmen einfach die Fahrstraße. Wer den Schneepflug auf den
leichten kantenlosen Langlaufskiern beherrscht, ist klar im Vorteil. Gilt es
doch, sehr kontrolliert abzufahren, weil auf der einspurigen Straße auch
Autoverkehr in beide Richtungen herrscht und nicht alle Autofahrer da wissen,
was sie bzw. ihr Auto gerade tut. Nur im unteren Bereich, wo man schnurgerade
fast bis Springe gucken kann, trauen wir uns eine Schußfahrt zu.
Nach
gut drei Stunden erreichen wir glücklich und zufrieden wieder unseren
Parkpklatz. Der Ski-Club Springe hat eine Spende, um die er im internet
ausdrücklich wirbt, wirklich verdient.
Auf
der Heimfahrt durch grau-braune Landschaft mit Schneeflecken beschließen wir, „so
einen Kurzurlaub wie in einer anderen Welt machen wir noch mal“. Cosima Krup, Burgwedel 5. Februar 2010 Zurück
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